Wer am Freitagabend bestrebt war, sein Zwerchfell und die Gesichtsmuskeln zu trainieren, der musste zum Lachen in den Keller gehen – und zwar in den Schlosskeller nach Klingenberg. Dort zeigte das Duo „Küchengeplänkel“ im proppenvollen Raum die Premiere zum neuen Programm mit dem Titel „Sou e‘ Gedöns“. Sehr viel Lokalkolorit, eingebettet in „Omborscher“ und „Eisebacher“ Mundart, Musik und witzige Dialoge, putzmunter in Szene gesetzt, das war das richtige Rezept, um gute Laune zu verbreiten.
Sprüche wie „Verreck Offebach!“, die ungläubiges Staunen ausdrücken, hüpfen der agilen Susa Stegmann wie Ping-Pong-Bälle aus dem Mund. Die gebürtige Obernburgerin parliert – wie in den vorherigen Programmen auch – als rotzfreches „Schinnösje“, eine am bayerischen Untermain gängige Bezeichnung für ein Mädchen mit bodenständigem Charme und Raffinesse. Passend zu den Dialogen hat sie sich Musiktitel ausgesucht, die sie entweder im Original singt oder ihnen einen individuellen Text verpasst hat. Die Melodie von „The Lion sleeps tonight“ gewinnt eine völlig neue Nuance, wenn der Refrain „Tief im Spessart gibt’s ´en Abnehmkurs“ lautet und von Susa mit voluminöser Gänsehautstimme intoniert wird.
Das Pendant zu der quirligen Susa ist Uschi, die Sternenflüsterin, im richtigen Leben Ursula Thiel. Als eher sportlicher und mondäner Typ, weist sie die in voller Absicht übers Ziel hinaus schießende Susa in die Schranken und verbessert ihre Wechstabenverbuchseleien (Buchstabenverwechslungen) und falsche Wahl von Fremdwörtern. Immer wieder lässt sie ihre astrologischen Kenntnisse ins Geplänkel einfließen, was wiederum zu witzigen Konstellationen führt. Beide bleiben sich in „Sou e‘ Gedöns“ nichts schuldig und zeigen sich dem Publikum als vermeintliche Streithennen. Während Uschi ihrem Gegenüber ein „Porzellansyndorm“ vorwirft (nicht alle Tassen im Schrank) spöttelt Susa über Uschis Schönheitsbewusstsein: „ Alles Schmier’n nützt nix, ´s is‘ genauso als ob mer aus Hackfleisch widder e‘ Schnitzel mache‘ wollt‘.“
Es fetzt, wenn Uschi und Susa sich ihre großen und kleinen Unzulänglichkeiten vorwerfen. Aber im Prinzip ist es „Gedöns“, eine Persiflage auf das Leben in einer Wohnung, die sich zwei Frauen mit völlig unterschiedlichen Neigungen teilen. Das ist auch die Absicht, die hinter dem „Küchengeplänkel“ steckt. Die beiden Protagonistinnen nehmen sich selbst auf die Schippe und halten dem Publikum einen Spiegel vor. Sie zeigen auf der Bühne, wie es im richtigen Leben zugeht, zwar karikierend, aber doch sehr nah an der Realität. Das alles geschieht mit so viel Witz und Leidenschaft, dass dem Zuschauer vor Wonne das Herz hüpft und das Zwerchfell durchs häufige Lachen so strapaziert wird, dass es schmerzt.
Als Zugabe wurde dem Publikum am Freitagabend das dynamische „Pata Pata“ serviert, einer der erfolgsreichsten Titel von Miriam Makeba. Hier trumpfte Susa mit ihrer grandiosen Stimme auf. Uschi stülpte sich einen witzigen Hut auf und tanzte dazu. Das Publikum hielt es nicht mehr auf den Stühlen, genauso wenig wie den „Spiritus Rector“ des Küchengeplänkels, Sabine Schmuck. Bis kurz vor Schluss hatte sie sich hinter einem Paravent verborgen, um sowohl die Technik zu bedienen als auch zu soufflieren. Sie schreibt für die Programme des Küchengeplänkels die Texte. Im Team mit Susa und Uschi werden sie dann rund gefeilt, bis es passt. Am Freitagabend war klar: Es passt.
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