Handy-Sucht heißt Nomophobie
Montag, Februar 27th, 2012Die Angst, mobil nicht erreichbar zu sein, sein Handy zu vergessen oder zu verlieren, die Horrorvorstellung, in einem Funkloch zu sein und kein Netz zu haben, hat einen Namen: “Nomophobie“. Sehr gut kann ich mich daran erinnern, als mir meine Tochter eines der ersten Handys zu Weihnachten schenkte. Sie arbeitete damals in der Verwaltung eines großen Providers, den es allerdings heute nicht mehr gibt und der von Mobilcom (heute Mobilcom-Debitel) aufgesaugt wurde. Das war 1998. Damals wurde ich mit neidvollen Blicken beäugt, wenn ich mein feuerrotes Nokia-Handy zückte. Das Mobiltelefon stammte aus der zweiten Handy-Generation und war nicht mehr ganz so riesig wie die ersten Geräte.Den Begriff Nomophobie gab es damals nicht.
Ende der 1990er-Jahre war es der absolute Luxus, ein Handy zu besitzen. Die Gebühren waren exorbitant und das Netz dünn bis durchsichtig. In meiner früheren Heimat musste ich quasi erst auf eine Anhöhe klettern oder mich im oberen Dachgeschoss aus dem Fenster hängen, um ein Netz zu bekommen. Den Vertrag habe ich damals über die Telekom, D1, abgeschlossen. Ich glaube, damals hieß es noch Telekom. Heute ist es “t-mobile”. Vodaphone, damals Mannesmann Mobilfunk und als “D2″ ein Begriff, hatte mehr Funklöcher als Netzverbindungsmöglichkeiten.
So lange ist das noch gar nicht her, noch nicht mal 14 Jahre. Jetzt sind die Leute, die kein Handy haben, die große Ausnahme. Es ist völlig uncool mobil nicht erreichbar zu sein. Schon längst sind Handys nicht mehr zum Telefonieren da. Sie dienen als Adressbuch und Terminkalender, als Foto- und Filmkamera, zum Abrufen und Versenden von SMS, MMS, E-Mails und zum Surfen im Internet. Die neue Generation der i-Phones und Smartphones trägt dazu bei, dass wir einen mobilen Computer mit Telefonfunktion in der Tasche tragen. UMTS, ein System, das vor rund 10 Jahren heiß umkämpft war, gehört mittlerweile zu den veralteten Funktechniken. LTE, die neue Generation des Mobilfunks, ermöglicht es, in hoher Geschwindigkeiten Daten zu übertragen und zu empfangen. Die LTE-Technik kann es mit einer Breitbandverbindung der mittleren Güteklasse aufnehmen. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Leute sich ohne das Handy nackt fühlen und Schweißausbrüche bekommen, wenn sie das Mobiltelefon nicht greifen können.
“No Mobile Phone - Phobia” , die Abkürzung Nomophobie, hat sich zu einer Seuche entwickelt. Vor vier Jahren wurde das Phänomen in Großbritannien untersucht. Damals gaben 50 Prozent der Probanten zu, dass sie handysüchtig sind und unter Nomophobie leiden. Jetzt, vier Jahre später, sind es 66 Prozent, die als Nomophobiker bezeichnet werden können. Die englische Kultur unterscheidet sich kaum von der deutschen. Deshalb kann ich mir vorstellen, dass in der Bundesrepublik die Ergebnisse ähnlich wären. Nomophobie ist eine Krankheit, die um sich greift. Die Zahl der Betroffenen wird noch weiter ansteigen.

